Wer konsequent auf Datenschutz setzt, landet schnell bei zwei Schweizer Anbietern: Proton Drive und pCloud. Beide stehen für europäische Werte, starke Verschlüsselung und DSGVO-Konformität – unterscheiden sich aber in Philosophie, Funktionsumfang und Preis erheblich.

Gemeinsamkeiten: Schweizer Wurzeln, europäischer Datenschutz

Sowohl Proton als auch pCloud haben ihren Ursprung in der Schweiz, einem Land, das für sein strenges Datenschutzrecht bekannt ist. Beide Anbieter speichern Daten in Europa, stehen nicht unter dem US CLOUD Act und richten ihr Angebot ausdrücklich an datenschutzbewusste Nutzer. Damit heben sie sich fundamental von US-amerikanischen Diensten wie Google Drive, Dropbox oder OneDrive ab.

Verschlüsselung: Protons Maximalansatz vs. pClouds flexibler Weg

Hier liegt der entscheidendste Unterschied zwischen den beiden Diensten.

Proton Drive verschlüsselt standardmäßig alle Dateien Ende-zu-Ende (E2E). Das bedeutet: Proton selbst kann zu keinem Zeitpunkt auf den Inhalt Ihrer Dateien zugreifen – nicht beim Upload, nicht beim Speichern, nicht beim Teilen. Dieses Zero-Knowledge-Prinzip ist bei Proton die Grundlage, nicht ein optionales Extra.

pCloud hingegen verschlüsselt Dateien im Transit und at rest mit AES-256, aber ohne clientseitige End-to-End-Verschlüsselung als Standard. Wer das Zero-Knowledge-Prinzip wünscht, muss pCloud Crypto hinzubuchen – ein kostenpflichtiges Add-on, das einen verschlüsselten Crypto-Ordner auf dem Gerät des Nutzers erstellt, auf dessen Inhalt pCloud keinen Zugriff hat.

Fazit Verschlüsselung: Für maximalen Schutz sensibler Daten bietet Proton Drive das konsequentere Konzept. pCloud Crypto ist eine solide Alternative, kostet jedoch extra und schützt nur den dedizierten Crypto-Ordner.

Proton-Ökosystem: Stärke durch Integration

Proton Drive ist Teil des Proton-Ökosystems: Proton Mail (verschlüsselter E-Mail-Dienst), Proton VPN, Proton Calendar und Proton Pass (Passwortmanager). Wer mehrere dieser Dienste nutzt, profitiert von einem in sich geschlossenen, vollständig verschlüsselten digitalen Alltag. Die Proton-Pläne bündeln diese Dienste kosteneffizient.

pCloud fokussiert sich ausschließlich auf Cloud-Speicher. Es gibt keine integrierten E-Mail- oder VPN-Dienste. Wer ein reines Speicher- und Backup-Werkzeug sucht, findet in pCloud eine schlanke, fokussierte Lösung.

Funktionsumfang und Benutzerfreundlichkeit

pCloud bietet nach wie vor den umfassenderen Funktionsumfang für reinen Cloud-Speicher: virtuelles Laufwerk (kein lokaler Speicherverbrauch), automatischer Foto-Upload, integrierter Musik-Streaming-Player, Direkt-Import aus Dropbox oder Google Drive, und Dateilinks mit Ablaufdatum. Die deutsche Benutzeroberfläche ist ausgereift, Desktop-Clients gibt es für Windows, macOS und Linux.

Proton Drive hat in den vergangenen Jahren erheblich aufgeholt und bietet mittlerweile Desktop-Clients, mobile Apps, automatischen Foto-Backup und grundlegende Teilen-Funktionen. Die Oberfläche ist sauber und einfach zu bedienen. Komplexere Funktionen wie ein virtuelles Laufwerk oder Medien-Streaming sind (noch) nicht vorhanden.

Preise und Speichermodelle

Proton Drive (kostenloses Paket: 1 GB; Proton Unlimited: ca. 10 € / Monat für 500 GB inkl. Mail, VPN, Calendar, Pass).

pCloud (kostenloses Paket: 10 GB; Premium 500 GB: ca. 50 € / Jahr oder Lifetime 2 TB: derzeit einmalig rund 400 €).

Für reinen Cloud-Speicher ohne Bedarf an Mail oder VPN ist das pCloud Lifetime-Paket langfristig das wirtschaftlichste Angebot. Wer das gesamte Proton-Ökosystem nutzen möchte, kann mit Proton Unlimited hingegen mehrere Dienste kostengünstig bündeln.

Teilen und Zusammenarbeit

Beide Dienste erlauben das Teilen von Dateien und Ordnern via Link. pCloud bietet passwortgeschützte Links, Ablaufdaten und fortgeschrittenere Freigabe-Optionen. Proton Drive schützt geteilte Inhalte standardmäßig durch Verschlüsselung, was jedoch bedeutet, dass Empfänger ohne Proton-Account unter Umständen eingeschränkten Zugang haben.

Für wen eignet sich welcher Dienst?

Proton Drive empfiehlt sich für: Nutzer, die maximale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohne Zusatzkosten wünschen, und solche, die bereits das Proton-Ökosystem (Mail, VPN) nutzen oder einsteigen wollen.

pCloud empfiehlt sich für: Nutzer, die einen umfangreichen, komfortablen Cloud-Speicher mit optionaler Zero-Knowledge-Verschlüsselung suchen und vom Lifetime-Modell für 2 TB profitieren möchten.

Für beide gilt: Kein Cloud-Dienst allein ist eine vollständige Datensicherung. Ergänzen Sie Ihren Cloud-Speicher stets durch eine lokale Kopie gemäß der 3-2-1-Regel.

Fazit

Proton Drive ist die beste Wahl, wenn maximale Privatsphäre durch standardmäßige End-to-End-Verschlüsselung oberste Priorität hat – besonders in Kombination mit dem Proton-Ökosystem. pCloud überzeugt durch größeren Funktionsumfang, reifere Desktop-Clients und das einzigartige Lifetime-Angebot. Für die meisten Nutzer, die Datenschutz und Komfort zu einem fairen Preis verbinden wollen, ist pCloud der überzeugendere Alltagsbegleiter.

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