Kostenloser Cloud-Speicher klingt verlockend — und alle großen Anbieter bieten irgendeine Form davon an. Doch die Unterschiede in Kapazität, Datenschutz und Upgrade-Pfaden sind erheblich. Welcher kostenlose Tarif lohnt sich wirklich, und wo lauern versteckte Kosten?
Was bekommen Sie kostenlos? Ein Überblick
Die Kapazitäten der kostenlosen Tarife variieren deutlich:
- pCloud: ca. 10 GB im kostenlosen Account (EU-Rechenzentrum wählbar)
- Proton Drive: 1 GB (geteilt über alle Proton-Dienste)
- Google Drive: 15 GB (geteilt mit Gmail und Google Fotos)
- OneDrive: 5 GB
- iCloud: 5 GB (ausschließlich für Apple-Geräte)
15 GB bei Google sind auf den ersten Blick am großzügigsten — aber dieser Speicher teilt sich Gmail, Google Drive und Google Fotos. Wer viele E-Mails oder Fotos hat, stößt schnell an Grenzen. pClouds 10 GB sind ausschließlich für Dateien und lassen sich auf dem EU-Server (Luxemburg) betreiben.
Google Drive kostenlos: Groß, aber mit Preis
Google Drive ist mit 15 GB der größte kostenlose Tarif unter den großen Anbietern. Die Integration mit Google Docs, Sheets und Slides ist hervorragend, und die Oberfläche ist ausgereift.
Der Preis: Google ist ein US-Werbekonzern. Obwohl Google beteuert, Drive-Inhalte nicht für Werbung zu analysieren, bleibt das Geschäftsmodell auf Datenverwertung ausgerichtet. Google unterliegt dem US CLOUD Act, und der US-Firmensitz bleibt ein Risiko für europäische Datenschutzanforderungen. Für private Urlaubsfotos ist das für viele vertretbar; für sensible Dokumente ist Vorsicht geboten.
OneDrive und iCloud: Sinnvoll im Ökosystem
OneDrive mit 5 GB ist vor allem für Windows-Nutzer sinnvoll, die Office-Dokumente automatisch sichern möchten. Als eigenständige kostenlose Option ist 5 GB aber sehr wenig.
iCloud mit 5 GB ist fest in das Apple-Ökosystem eingebettet — Fotos, Kontakte und Gerätesicherungen konkurrieren um diesen Speicher. Fast jedes iPhone läuft schnell gegen die 5-GB-Grenze, was Apple bewusst als Upgrade-Anreiz einsetzt. Datenschutztechnisch gilt dasselbe wie für andere US-Anbieter: Apple unterliegt dem US CLOUD Act.
Proton Drive kostenlos: Privatsphäre, aber eng
Mit nur 1 GB im kostenlosen Tarif ist Proton Drive der knappste Anbieter in dieser Übersicht. Dafür überzeugt der Schweizer Dienst mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung standardmäßig und dem stärksten Datenschutz aller hier genannten Optionen.
Für Nutzer, die primär wenige, aber sehr sensible Dateien (Dokumente, Passwort-Backups, Verträge) kostenlos und privat speichern wollen, ist Proton eine valide Option. Wer mehr Kapazität benötigt, muss upgraden.
pCloud kostenlos: Der beste Kompromiss
pCloud bietet mit rund 10 GB im kostenlosen Account eine solide Basis, und das mit einem entscheidenden Vorteil: Sie können den EU-Rechenzentrumsstandort (Luxemburg) direkt beim Anlegen des Accounts wählen. Das Schweizer Unternehmen unterliegt nicht dem US CLOUD Act.
Der kostenlose Tarif ist zudem dauerhaft — kein Ablaufdatum, keine künstliche Verknappung, um Upgrades zu erzwingen. Die Apps sind ausgereift und der Upgrade-Pfad transparent: Das Lifetime-Abo bietet derzeit rund 400 € für 2 TB dauerhaft ohne monatliche Kosten. Für einen ausführlichen Test lesen Sie unseren pCloud Test 2026.
Kostenloser Speicher ist kein Backup
Das wichtigste Caveat: Kostenloser Cloud-Speicher ist keine Datensicherung. Wer sein einziges Exemplar von Familienfotos ausschließlich in einem kostenlosen Cloud-Account speichert, riskiert Datenverlust — durch versehentliches Löschen, Kontosperrung oder Anbieter-Einstellung.
Eine echte Datensicherung folgt der 3-2-1-Regel: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außerhalb des Hauses. Mehr dazu in unserem Artikel zur 3-2-1-Backup-Regel. Cloud-Speicher erfüllt den „eine außerhalb"-Teil, ersetzt aber nicht die lokale Kopie.
Worauf sollten Sie beim kostenlosen Tarif achten?
- Datenschutz: Wer ist der Anbieter, wo hat er seinen Sitz, unterliegt er dem US CLOUD Act?
- Werbefinanzierung: Wird das Geschäftsmodell durch Datenverwertung finanziert?
- Upgrade-Pfad: Sind die Konditionen für mehr Speicher fair und transparent?
- Ablaufdatum: Verfällt der kostenlose Account, wenn er nicht aktiv genutzt wird?
- Verschlüsselung: Wird End-to-End-Verschlüsselung angeboten?
Empfehlung
Für den besten Datenschutz im kostenlosen Bereich empfehlen wir pCloud (EU-Rechenzentrum, 10 GB, Schweizer Datenschutz) als erste Wahl, gefolgt von Proton Drive für besonders sensible Dateien mit E2E-Verschlüsselung. Google Drive ist praktisch und großzügig, aber datenschutztechnisch der schlechteste Kandidat dieser Runde.
Denken Sie daran: Wer Fotos und Erinnerungen langfristig sichern möchte, sollte früher oder später in eine vollständige Backup-Strategie investieren. Hilfe dabei bietet unser Artikel Familienfotos sicher speichern.
Fazit
Kostenloser Cloud-Speicher ist ein guter Einstieg, aber kein Ersatz für eine durchdachte Datensicherung. pCloud bietet das beste Gleichgewicht aus Kapazität, Datenschutz und fairem Upgrade-Pfad. Google Drive punktet mit Volumen, hat aber Datenschutznachteile.
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